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Mit dem Erdgasauto nach Lappland

...geht das überhaupt?

Februar 2007

Diese Frage stellte ich mir im Herbst 2006. Durch Zufall bin ich nämlich beim Stöbern (neudeutsch: surfen) im Internet auf VOMAC (Volvo Owners Meeting at the Arctic Circle/www.vomac.org) gestoßen. Das Programm fand ich auf Anhieb interessant, die Fotos vom Meeting 2006 schon sehr eindrucksvoll.

Aber meine Bedenken:

  • ist die Erdgastechnik für so einen Trip robust genug?
  • kann man im hohen Norden CNG tanken?
  • sind 4.500 km in 4 Tagen zu bewältigen?

 



















Hier war schon Rat vom Fachmann gefragt. Also habe ich kurzerhand meinen freundlichen Volvo-Partner in Hannover (E.R.B. Autozentrum) ins Boot geholt. Dort hat man mir meinen V70 BiFuel (MJ2006) auf die zu erwartenden –30°C, die in der Nähe des Polarkreises im Februar herrschen sollten, vorbereitet. Kulanterweise hat man dies nicht in Rechnung gestellt, sondern sah es als besonderen Service am Kunden (mir) an. Zusätzlich habe ich dann noch eine elektrische Motorvorwärmung einbauen lassen. Außerdem stellte E.R.B. mir zwei Winterreifen und Ersatzteile kostenfrei zur Verfügung. Parallel zu den Fahrzeugvorbereitungen habe ich mich im Internet über die Tankmöglichkeiten in Nordschweden informiert. Laut E.ON Schweden ist die letzte Tankmöglichkeit in Uppsala. Nur leider sind bis zum Ziel noch mindestens 300 km, also was tun?

Da von VOMAC ein Hotel angegeben war, habe ich also im „Hotel Kramm“ in Kramfors angerufen. Dort konnte man mir mit einer Tankstelle 10 schwedische Meilen südlich weiterhelfen. Da mein Auto eine Reichweite von 400 bis 500 km (je nach Gasqualität) hat, also kein Problem. Hierzu ist noch zu erwähnen, das mein Serien V70 BiFuel um einen zusätzlichen Tank im Kofferraum erweitert wurde und so eine Tankmenge von bis zu 32 kg möglich ist.

Da so eine Tour allein aber zu langweilig bzw. auch gefährlich (Fahrzeit) ist, habe ich meinen Bruder für die Tour gewinnen können.

Los ging es dann am Donnerstag, den 15. Februar gegen 13 Uhr. Zu bewältigen waren 1.900 km. Ankunft in Kramfors war am 16. Februar gegen Mittag geplant. Also 1.900 km in 24 Stunden! Alle Tanks, Benzin und CNG, waren gefüllt. Es konnte losgehen.

Erster Tankstopp nach ca. 400km in Oldenburg/Holstein. 27 kg H-Gas gebunkert und weiter ging´s. Wir haben uns für die Fährverbindung von Puttgarden nach Rodby entschieden und sind dann weiter über die Öresundbrücke nach Schweden eingereist.

Der nächste Tankstopp war dann fällig in Helsingborg. Die CNG-Tanks waren zwar noch nicht leer, aber man kann ja nicht wissen...
Also haben wir hier noch mal ca. 14 kg BioGas nachgetankt. In Helsingborg kann man rund um die Uhr mit EC-Karte oder mit Kreditkarte bezahlen. Die Tankstelle hat auch ordentlich Druck, sodass die Tanks auch voll werden. Anschließend ging es weiter bis nach Norrköping. Jetzt war es schon der 16. Februar geworden und recht kalt. Die QStar Tanlstelle (EC- und Kreditkarte) hat mir nach ca. 430 km auf Gasbetrieb ca. 23 kg BioGas in die Tanks gedrückt. Mitten in der Nacht ging es dann weiter bis nach Uppsala. In Uppsala haben wir dann eine längere Pause (2h) gemacht, um wieder ein wenig zu Kräften zu kommen. Gegen 8 Uhr haben wir am Busdepot von Uppsala getankt. Dies ist normalerweise keine öffentliche Tankstelle und es wird eine spezielle Tankkarte benötigt, die wir natürlich nicht hatten. Aber die Mitarbeiter des Busdepot waren so freundlich uns dort tanken zu lassen. Das Beste daran war, dass wir das Gas auf Rechnung (!) bekommen haben. Der Mitarbeiter des Busdepots hat sich lediglich meine Anschrift und mein Kennzeichen aufgeschrieben. Ich bekäme dann eine Rechnung hieß es. Nächste Etappe hieß dann Kramfors, d.h. ca 300 km Landstraße!

Aber auch die haben wir bewältigt und sind dann nach insgesamt 24h in Kramfors angekommen. Hier verließ uns leider unser Glück, denn wir erfuhren, dass wir an der Tankstelle in Sundvall vorbeigefahren waren ohne es zu merken. Erst jetzt stellte sich leider heraus, dass 10 schwedische Meilen ca. 100 km sind! Naja, zurückgefahren sind wir dann nicht. So mussten wir leider einen großen Teil des VOMAC mit Benzin fahren, ca. 500 km. War aber nicht so tragisch, da der V70 BiFuel auch im Benzinbetrieb sparsam ist und mit 7 bis 8 Liter auskommt. Am Sonntag gegen 15 Uhr ging es dann zurück Richtung Süden. Da die CNG-Tankstelle nur von Montag bis Freitag zwischen 8 und 14 Uhr geöffnet hat mussten wir bis Stockholm auf Benzin fahren (muss nächstes Mal besser geplant werden). Die nächste zu erreichende öffentliche Tankstelle sollte am Stockholmer Flughafen sein. War sie auch, nur leider außer Betrieb.

So mussten wir also bis Stockholm in die Stadt rein. Hier gibt es mehrere Tankstellen. Wir haben an einer Shell-Tankstelle die Tanks voll machen wollen. Nur leider war bei der Hälfte Schluss. Auf Nachfrage beim Tankwart hieß es dann, mehr hätten sie leider nicht (!?!). So haben wir schon in Linköping wieder tanken müssen. Hier war dann aber wieder alles so wie es sein sollte. Voller Druck und 25 kg Gas in den Tanks. Letzter Tankstopp in Schweden war der gleiche wir zu Beginn, in Helsingborg. Hier gab´s die volle Dröhnung: 31,5 kg BioGas. Abschluss war dann in Oldenburg, ebenfalls wie auf der Hinfahrt.


Fazit:
Es ist tatsächlich möglich bis Nordschweden mit Erdgas zu fahren. Jetzt, wo ich die Tankstelle in Sundvall kenne und auch die Öffnungszeiten werde ich das nächste Mal auf Benzin verzichten können. Erfreut habe ich bei dieser Tour festgestellt, dass der Volvo V70 BiFuel technisch ausgereift ist und sehr guten Komfort bietet. Auch die hin und wieder belächelte Erdgastechnologie hat sich als robust erwiesen. Vor allem wenn man bedenkt, dass der V70 auf dem Hin-. bzw. Rückweg jeweils 24h ununterbrochen gelaufen ist und nur Pausen beim Tanken hatte. Was die Tour an sich betrifft, ist das schon ein „Höllenritt“ gewesen. 4.500 km in 4 Tagen!!!