Frankreich Urlaub Toscane (Südwestfrankreich) 2006Ein Reisebericht von Volker Tisken Eines gleich vorweg: Mit einem Bluepower wäre diese Reise nicht möglich gewesen. Trotzdem ist das Fazit ermutigend. Ich hoffe auf den Ausbau des Erdgas-Tankstellennetzes in Frankreich und fahre mit einem Erdgas-Fahrzeug gerne wieder hin. Anlass der Reise war meine Teilnahme am Rencontre Musicale Irlandaise in Tocane (in Südwestfrankreich, ca 120 km nordöstlich von Bordeaux). Die grobe Planung ergab, dass ich in jedem Fall über Mulhouse nach Besancon fahre und dann über Lyon/St. Etienne und quer durchs Zentralmassiv oder über Bourges und Angoulème fahren könnte. Da ich schon früher viel auf Nebenstrecken durch Frankreich getourt bin, war beides für mich kein Problem. Die CNVert-Karte (Badge) wurde früh beantragt und von Alexis Goldberg, dem zuständigen Mitarbeiter von CNVert, wurde ich sehr gut unterstützt. Ein langes Gesicht verursachte allerdings die aktuelle Liste der Erdgastankstellen, die er mir zukommen ließ: Das Angebot war gegenüber der im Internet abgelegten Liste geschrumpft: So war Angoulème nicht mehr verzeichnet und Montbeliard ist nur montags bis freitags während der Kernarbeitszeit geöffnet. Da ich freitags nach der Arbeit los und ein gutes Stück der rund 1100 km Strecke nachts zurücklegen wollte, musste ich ziemlich umplanen bzw. mich auf ein sehr eingeschränktes Angebot einstellen: Letzte Tankstelle in Deutschland wäre Lörrach (bis 22 Uhr geöffnet). Nach 470 km käme Bourges; nach Tocane sind es von da aus knapp 300 km – nochmal 120 km drauf und es gäbe in Bordeaux wieder Gas. Eine weitere Änderung der Pläne: Auch meine Frau bekam Urlaub und brauchte Tapetenwechsel. So kam sie mit – und statt Mini-Zelt unser kleiner Eriba Touring (4,50 m lang, 750 kg zul. Ges.Gew.). Der hatte sich als sehr tourentauglich an unserem alten R19 bewährt – speziell in Frankreich, wo man keine strikte 80kmh-Beschränkung kennt, sondern leichtere Hänger-Gespanne mit 90 bis 110 (und im einen oder anderen Fall auch mal mehr) im Verkehr mitfließen können. Beim Renault machte das einen kleinen Expresszuschlag aus: Der Verbrauch stieg von normalerweise 7 l/100km auf 10 l/100 km. Der Multipla ergänzt sich vom Fahrwerk her genial mit dem kleinen Wohnwagen – das Gespann ist sehr wendig und lässt sich in engen Situationen und rückwärts sehr gut rangieren. Dagegen ist der Motor ein wenig problematisch: Der Fiat hat zwar 25 PS mehr, allerdings weniger Hubraum (und mit der Gasanlage fast ein Drittel mehr Leergewicht) als der Renault. Wie sich das auf den Verbrauch und die Fahrleistungen auswirkte, musste sich erst noch zeigen. Auf Tour waren wir mit dem neuen Zugfahrzeug zuvor noch nicht. Früher von der Arbeit war nicht wegzukommen und der 15. Juli war einer der heißesten Tage dieses Jahres. So kamen wir erst am Abend los und konnten Lörrach vergessen. Waldshut-Tiengen hat eine sehr empfehlenswerte unbemannte 24-Stunden-Gastankanlage. Die zweite Etappe verlängerte sich dadurch allerdings um weitere 60 km auf 530. Die Reichweite sank im gesetzestreuen Hängerbetrieb auf dieser ersten Etappe in Deutschland nur mäßig auf 400 km – trotzdem eindeutig zu wenig für das weitmaschige französische Gastankstellen-Netz. Wir mussten also Benzin und Gas im Mischbetrieb gut ausbalancieren. In Frankreich machte sich die etwas schwachbrüstige Motorisierung des Fiats mit deutlichem Mehrverbrauch bemerkbar: Hier folgen selbst Fernstraßen und Autobahnen stärker dem unmittelbaren Landschaftsverlauf als in Deutschland. Entsprechend öfters wechseln sich Gefälle und kräftige Steigungen ab. Damit man bei letzteren nicht völlig aus der Drehzahl fällt, in der Kraft vorhanden ist, heißt es frühzeitig runterschalten und kräftig Gas geben. Andernfalls fahren einem auf Autobahn und Nationalstraße die Lkws um die Ohren, dass einem Angst und bange wird. In Montbeliard hätte es trotzdem noch gar nicht richtig gelohnt, die Gastanks wieder aufzupumpen. Aber in Besancon wäre das angebracht gewesen. Hier fahren die Stadtbusse mit Erdgas – wie man an jedem Bus lesen kann. Schade, dass es keine öffentlich zugängliche Gastankstelle gibt. Auch der Samstag ist heiß, so dass wir mit Klimaanlage fahren. Die nimmt sich auch noch was zusätzlich aus dem Tank. Unser Gas ist deshalb nach 360 km zu Ende. Benzin nimmt er sich 9,5 Liter/100 km, so dass der 36-Liter-Tank auch nicht weit reicht.Wir versuchen den günstigen Supermarkt-Sprit zu bekommen, müssen aber nach Geschäftsschluss auch bei teuren Markentankstellen Benzin nachfassen – ein großer Ersatzkanister wäre nicht verkehrt gewesen. Trotzdem erreichen wir über Beaune, Autun und Nevers auf sehr schöner Nebenstrecke am Samstagnachmittag Bourges und suchen den Parkplatz hinter dem Kongresszentrum. Dort steht eine unbemannte Gastankanlage, an der mit GNVert-Badge problemlos 24 Stunden am Tag Gas gezapft werden kann. Da die Menge in Nm3 (Normaldruck-Kubikmeter) angegeben wird, konnten wir den Füllstand nicht exakt beurteilen. Die Druckanzeige der Tankstelle erreicht die 200 bar-Marke nicht ganz. Damit geht es nach Limoges und über kleine Landstraßen direkt nach Tocane. Mit dieser Füllung werden die 300 km Distanz nur knapp übertroffen. Leider ist nicht erkennbar, ob es sich um L- oder H-Qualität handelt. Es gibt lediglich eine kleine Quittung über die Menge. Vielleicht ist auf der Rechnung, die irgendwann mal nach Hause kommt, mehr zu erkennen. Eine Woche später Rückfahrt: Die zusätzlichen Kilometer nach Bordeaux lassen wir ausfallen; ebenso lassen wir die Alternativstrecke über Clermont-Ferrand/St. Etienne/Lyon links liegen. Damit bleibt die Gastanke in Bourges unsere einzige – aber auch sehr positive – Erfahrung mit Erdgas tanken in Frankreich. Wir fahren Vormittags bis Bourges, halten dann eine lange Nachmittags-Siesta und fahren in die Nacht hinein mit dem Ziel, am nächsten Morgen früh zu Hause zu sein. 24h/7d-Tankanlage in Bourges am hinteren Ende des öffentlichen Parkplatz beim Palais des Congrés:
© gibgas
© gibgas
© gibgas In Frankreich läuft alles völlig problemlos und relativ zügig, obwohl wir der Autobahn aus dem Weg gehen. Strecke machen kann man hier am besten Nachts. Schon allein deshalb sollte es solche unbemannten rund-um-die-Uhr Gastankanlagen häufiger geben. Unsere große Enttäuschung ist die erste erreichbare Gastankstelle in Deutschland: in Breisach ist tote Hose und unsere Bank- und Kreditkarten spukt der Automat an der Gaszapfsäule angewiedert wieder aus. So geht es mit Benzin nach Tuttlingen weiter, wo zum Ausgleich mit fast 29 Kilo die bislang größte Menge Gas in unsere Flaschen gepumpt wird. Das ist reichlich mehr als wir für die restlichen 200 km nach Hause brauchen. Die zurückgelegte Gesamtstrecke betrug 2500 km. Bilder: Die 24h/7d-Tankanlage in Bourges am hinteren Ende des öffentlichen Parkplatz beim Palais des Congrés ist einfach zu bedienen: Badge an den Leser halten, Kilometerstand und vereinbarte Kennung eingeben und die zierliche Stäubli-Kupplung anschließen. Die Anlage füllt automatisch und piepst/druckt einen Beleg, wenn die Tanks voll sind. |
|
|
RSS
ATOM