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Frankreich Urlaub 2003

Wenn einer eine Reise tut...

Ein etwas anderer und langer Reisebericht!

 






Ich bin nach Frankreich gereist, genauer gesagt in die Nähe von Narbonne am Mittelmeer. Als erstes habe ich mich erkundigt, ob es in Frankreich überhaupt Möglichkeiten zum Tanken gibt. Wochen vor meinem Urlaub habe ich angefangen, meine Route zu planen. Die kann, wenn man will, durch die Schweiz führen. Das Ergebnis ermutigte mich weiter zu recherchieren. Auf der ganzen Strecke durch die Schweiz gibt es Erdgastankstellen, Basel, Biel, Neuchatel, Rennes bei Lausanne, usw. Und das sind längst nicht alle Erdgastankstellen, die auf der Route gen Süden auf der site www.erdgas.ch angezeigt werden. In der Schweiz ist allerdings Erdgas als Kraftstoff nicht steuerbegünstigt und somit etwas teurer als in Deutschland. Daher habe ich die Route nicht über die Schweiz geplant.

In Frankreich gibt es, mit sehr wenigen Außnahnen, keine öffentlichen Tankstellen
Was nicht heißt, dass in den Städten keine Erdgasfahrzeuge fahren. Nahezu jede große Stadt hat mindestens eine Erdgastankstelle. Verbreitet ist der Einsatz von Erdgas für den Bussbetrieb, für Müllfahrzeuge und für Servicefahrzeuge der Strom- und Erdgasversorger EdF und GdF. Die Tankstellen stehen meist in Industriegebieten, bei den hiesigen Gas- und Stromunternehmen. Betrieben werden sie in der Regel vom Tochterunternehmen GNVert. Erdgas als Kraftstoff heißt in Frankreich GNV, Gaz Naturel Véhicule. Die Tankstellen sind fast alle ohne Mengenerfassung ausgestattet und daher nicht für eine Abrechnung der Betankung eingerichtet. Privat-PKWs gibt es in Frankreich praktisch nicht. All diese Erkenntnisse im Vorfeld haben mich dennoch nicht davon abgehalten, weiter an meiner Tour zu planen. Auf der Route gab es Städte mit Erdgastankstellen, wenn auch nicht Öffentliche.

Nach etwas Recherche gelang es mir eine zuständige Person bei GNVert ausfindig zu machen. Da GNVert Tankstellen in ganz Frankreich betreibt, hatte ich durch diesen Ansprechpartner die Chance alle benötigten Kontake zu bekommen. Ich kann also keinen Erdgasfahrer ermutigen, mir nachzueifern. Vor Reiseantritt habe ich mit den Kontaktpersonen eine ungefähre Ankunftszeit vereinbart. Da die Öffnungszeiten begrenzt sind und am Wochendene kein Tanken möglich ist, musste ich am Freitag sehr früh starten.

Die Reise trat ich mit meiner Frau und zwei französischen Freunden mit einem Fiat Multipla Bipower an, einem Leihwagen. Anmerkung: Die Suche war schwierig, denn es gibt, zumindest in Baden, meines Wissens sonst keinen Autoverleiher mit einem Erdgasfahrzeug. Die Reise begann um 5:00 Uhr mit einem Flopp. Es war mir an der Offenburger Erdgastankstelle nicht möglich, mit meiner EC-Karte zu tanken. (Inzwischen wurde ein defektes Bauteil ausgewechselt und der Fehler behoben). Unsere Reise begann also mit einem nicht ganz vollen Tank. Dadurch schafften wir die erste Etappe von 410 km im Gasbetrieb nicht ganz. 93 km vor Chalon sur Saône schaltete der Wagen auf Benzin um. In Chalon sur Saône haben wir die Tankstelle nahe dem Bahnhof schnell gefunden. Dort erwartete uns die zweite Überraschung. Aufgrund eines Defekts am Kompressor waren nur 60 bar Druck im Speicher. Damit war die zweite Etappe Montpellier nicht zu erreichen. Ein voller Tank hat einen Enddruck von 200 bar. Dafür gab es das Gas umsonst. Ziel war aber, Montpellier mit Gas zu erreichen. D.h. wir mussten einen weite-ren Tankstopp in Lyon einlegen. In Lyon gibt es vier Erdgastankstellen. Der nette Herr von GdF in Chalon sur Saône vermittelte uns freundlicherweise den Kontakt zur, zunächst nicht eingeplanten aber, nächstge-legenen Tankstelle in Lyon. Nach rund 100 km waren die 60 bar GNV verbraucht und nach weiteren 42 km im Benzinbetrieb fanden wir im Stadtteil St. Fonds das Fahrzeugdepot der EdF in einem abseits gelegenen Industrieviertel. Die Gasflaschen der Erdgastankstelle zeigten einen Druck von 280 bar an, eine Mengener-fassung gab es nicht. Auch hier trafen wir wieder auf einen sehr freundlichen Mitarbeiter des EdF, der uns auch für die Rückreise eine Betankung anbot. Und auch hier gab es die Tankfüllung zum Nulltarif. Nach dem Tankvorgang leuchteten zum ersten Mal alle 7 Leuchtdioden der Tankanzeige für Erdgas. Mit einem vollen Gastank starteten wir in Richtung Montpellier. Aufgrund des Zwischenstopps hatten wir uns verspä-tet und um Montpellier noch vor Toreschluss zu erreichen, mussten wir uns beeilen. Montpellier erreichten wir glücklicherweise rechtzeitig und nach 306 km im Gasberieb. Die Tankstelle in Montpellier lang nahe der Autobahn beim Busdepot. Die riesige Bussflotte der Stadt hat mehrere eigene Betankungseinrichtungen. Zusätzlich wurde von GNVert eine weitere, halböffentliche Tankstelle für Servicefahreuge des EdF und für Flottenkunden mit 4 Zapfsäulen eingerichtet. Zum ersten Mal sahen wir eine Mengenerfassung in m³. Betankt hat uns ein Mitarbeiter des EdF mit einer Tankkarte, einer sogenannten "badge". Am Ende zeigte das Terminal 25 m³ und 246 bar an; Tankanzeige 6 von 7 Leuchtdioden im Multipla. Trotz Mengenermittelung wurde uns auch hier nichts berechnet. Wir hätten gerne etwas bezahlt, um für den Rückweg nicht betteln zu müssen. Aber auch hier wurde uns eine weitere Betankung eingeräumt. Nach 120 km hatten wir unser Urlaubsziel erreicht. Am Ende hatten wir 975 km zurückgelegt davon 840 km im Gasbetrieb. Es war uns klar, dass die weiteren km im Benzinbetrieb erfolgen müssen, wenn der Gastank leergefahren ist.

Abstecher in die Pyrenäen, GNV-Flopp St. Girons
Am Four Solaire in Font-Romeu Odeillo in den Pyrenäen, habe ich vor 12 Jahren ein Praktikum absolviert; Grund, einen Abstecher zu machen. Die auf den bekannten Internetseiten aufgeführte, französische Erd-gastankstelle in St. Girons, veranlasste mich zu einer langen und sehr schönen Tour entlang der D 618. Auch wenn sich die Erdgastankstelle als Flopp erwiesen hat, so habe ich die Reise über den landschaftlich sehr reizvollen Col de Port nicht bereut. Ich hatte es nicht für erforderlich gehalten, in St. Girons vorher anzurufen, um zu fragen, ob ich an der Tankstelle Erdgas tanken kann. Waren doch auf den einschlägigen Internetseiten Öffnungszeiten auch am Sonntag ausgewiesen. Die Realität belehrte mich allerdings eines Besseren. Der Tankstellenwart, sagte mir, dass an diesem Tag schon sehr viel Kunden getankt hätten und der Tank leer wäre. Auf meinen Hin-weis hin, dass ich nicht GLP sondern GNV tanken wolle, gab er an, mir nicht helfen zu können, ich solle am Montag wieder kommen. Die 130 km einfache Strecke zu meinem Hotel, wollte ich allerdings am anderen Tag doch nicht noch einmal fahren. Ich gab allerdings nicht gleich nach und fragte ihn, wo den die Erdgaszapfsäule steht. Ich hätte zu gerne die einzigste öffentliche GNV-Tankstelle auf meiner Reise gesehen. Er zeigte mit dem Finger auf die Flüssiggastankstelle. Es wurde mir klar, der Tankwart hat keine Ahnung. Ich habe daraufhin das gesamte Tankstellenareal nach einer Erdgaszapfsäule abgesucht und nichts gefunden. Nur ein paar alte und vergammelte Erdgasleitungen und eine außer Betrieb genommene Gasübergabestation habe ich gefunden. War das vielleicht früher einmal ein Teil der Erdgastanke? Ich weiß es nicht, es deutete jedenfalls nichts daraufhin, dass sich an der Total tatsächlich eine Erdgaszapfsäule befindet. Frustriert trat ich mit meinem, schon lange auf Benzinbetrieb fahrenden Multipla, die Rückreise an.

Abstecher nach Barcelona
Im Internet kann man auf der Seite www.erdgasfahrzeuge.de unter Spanien verschiedene Adressen finden. Genauso wie in Frankreich sind diese Tankstellen nicht öffentlich zugänglich. Meiner Meinung nach sollten diese Adressen gelöscht werden, da sie dem Erdgasfahrer suggerieren dort Erdgas tanken zu können, was nicht der Fall ist. Während dem Urlaub haben wir einen Abstecher nach Barcelona gemacht. Vor meiner Abreise hatte ich schon eine Emailanfrage nach Barcelona geschickt. Nachdem ich keine Antwort erhalten habe, haben wir die Tankstelle in Barcelona nicht gesucht. Siehe hierzu meinen Kommentar im gibgas-Forum unter Tanken im Ausland und Spanien.

Auf unserer Rückreise machten wir noch einen spontanen Abstecher nach Marseille. In Barcelona gibt es auch eine Erdgastankstelle, die GNVert bereibt. Mangels Vorbereitung haben wir aber die Erdgastankstelle in Marseille nicht gesucht. Dadurch konnten wir auf der Rückreise nur 810 km im Gasbetrieb zurücklegen.

Fazit:
Alles in Allem können wir eine stolze Bilanz vorweisen. Von 3.800 gefahrenen km, haben wir die Hälfte mit Erdgas zurückgelegt. Die Fahrt mit dem Multipla hatte viel Freude gemacht. Es ist wirklich ein sehr ausgereiftes Erdgasfahrzeug.

Zum Abschluss muss ich nocheinmal auf meine besondere Situation hinweisen. Erdgas als Kraftstoff wird in Frankreich nicht öffentlich angeboten. Alle Tankstellen, die wir auf dieser Reise angefahren haben, sind normalerweise für Privatleute nicht zugänglich. GNVert hat mir ausnahmsweise erlaubt an ihren Tankstellen Erdgas zu tanken. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanken. Ich wurde auch gebeten mit meiner Tour keine Werbung zu machen. Daher kann ich den Erdgasfahrern, die dieses lesen, nur sagen: "Zur Nachahmung nicht empfohlen".


© gibgas

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Wir danken Thomas K. für den ausführlichen Reisebericht!