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Montag 09.Januar 2017 | 12:00

CNG. Was sonst!

Um es gleich zu Beginn klar zu sagen: Wirklich umweltschonende Kraftfahrzeuge fahren mit CNG. Das hat viele gute Gründe. So wie der Kraftstoff mittlerweile viele gute Quellen besitzt. Aber leider wird er in Deutschland schlecht und dazu unter verschiedenen Namen vermarktet. Deshalb hat es der saubere Kraftstoff hier viel schwerer, als er es verdient...

Zahlreiche Unternehmen und Konzerne machen es vor: das Geschäftsfeld ändert sich im Laufe der Zeit, man expandiert in neue Märkte, es kommt zu Fusionen – und in der Folge solcher Prozesse sehr häufig auch zu neuen Firmennamen.
Vergleicht man dies mit der Entwicklung des einstigen „Kraftstoffs Erdgas“, müsste dieser Schritt seit mehreren Jahren vollzogen sein. Ist er aber nicht, stattdessen liest und hört man unzählige verschiedene Begriffe seitens der Energiebranche und Fahrzeughersteller (nach unseren Zählungen ca. 40 Begriffe, siehe Grafik). Warum es besser wäre, hier mit einem einzigen, eindeutigen, starken und international eingeführten Namen zu punkten, liegt auf der Hand. Deshalb verwendet gibgas ausschließlich den Begriff CNG und setzt sich immer wieder für dessen flächendeckende Etablierung ein.


Begriffswirrwar für den Kraftstoff CNG, einfach mal als Bild zusammen geführt! Noch Fragen? Wer soll das verstehen?



Vermarktung – was ist das?
Das Dilemma mit der Namensgebung ist schon ein gewaltiger Hemmschuh, doch beileibe nicht das einzige Problem in der Vermarktungskette. Es fehlt mittlerweile an so ziemlich allem, was ein Produkt bzw. seine Produktwelt attraktiv macht, zum Kauf bewegt und für reichlich Nachahmer sorgt. Viele der „Produzenten“ nutzen CNG im eigenen Fuhrpark gar nicht, beschweren sich aber über mangelnde Auslastung der CNG-Tankstellen: Vorbildfunktion, gelebte Überzeugung und Glaubwürdigkeit sehen anders aus.
Fahrzeughersteller ziehen sich zurück oder minimieren ihr CNG-Angebot statt in die Offensive zu gehen und es mit starken Vertriebs- und Marketingaktionen zu pushen.
Die Interessenten und umweltorientierten Käufer sind verunsichert, warten ab oder entscheiden sich im Zweifel lieber für Modelle mit klassischen Antrieben – trotz deren spezifischen Problemen.
Und über allem stehend bremst die Politik nötige Investitionen, Zuversicht und den Markt durch jahrelanges Verzögern längst beschlossener Maßnahmen, Stichwort Fortschreibung der Steuerbegünstigung nach 2018. Ein Bärendienst für die Umwelt, Wirtschaft, Verbraucher und die Zukunft des automobilen Standorts Deutschland.

CNG – erstmal eine Definition und Abgrenzung
Zurück zum Kraftstoff. CNG bedeutet Compressed Natural Gas, auf deutsch „Komprimiertes Naturgas“ und wird zur Betankung auf 200 bar verdichtet. Das kennzeichnet von Beginn an den Unterschied zu normalem „Erdgas“, das im Netz transportiert wird und mit Minimaldruck zum Heizen und Kochen in die Haushalte geleitet wird. Auch industrielle Gaskraftwerke nutzen diesen Energieträger unverdichtet.
Zum Betreiben von KFZ ist die Komprimierung aber zwingend erforderlich, um die nötige Energiedichte zu bekommen, die pro Verkaufseinheit kg (Qualität H) der von 1,5 l Ottokraftstoff und 1,3 l Diesel entspricht. Heizgas dagegen wird in Kilowattstunden und Kubikmetern verkauft bzw. abgerechnet.
Um den Unterschied kenntlich zu machen, wurde anfänglich der Zusatz „Erdgas als Kraftstoff“ verwendet, was zu der Zeit ja auch noch stimmte. Heute allerdings wird der Kraftstoff mit der Benennung des fossilen Begriffs Erdgas deutlich unter Wert vermarktet, denn er enthält bis zu 100 % regenerative Anteile und kann deshalb viel mehr – beispielsweise Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren klimaneutral fahren lassen.

2 x 100 % erneuerbar – und das ist erst der Anfang
Rein chemisch sind Erdgas und CNG identisch – der Hauptbestandteil ist CH4, also Methan. Allerdings bezeichnet Erdgas ein rein fossiles Produkt, das, wie der Name schon sagt, ursprünglich aus der Erde stammt.
In den letzten Jahren haben sich das Bild – und der Energieträger – jedoch entscheidend gewandelt. Erneuerbare Energien gelten seit Jahren als künftiger Standard und ersetzen zunehmend fossile und atomare Energieträger. Diesem Zeitgeist der „Dekarbonisierung“ folgend, ist CNG ein Musterbeispiel für die Energiewende hin zur Nachhaltigkeit. Ein Kraftstoff, der sich aus vielen regenerativen Quellen speist und damit nahezu CO2- bzw. klimaneutral wird. Hierzulande sind bereits zwei nachhaltige Erzeugungswege etabliert: Die Produktion von Biomethan und die Power-to-Gas-Technologie. Deren so genannte „strombasierte Kraftstoffe“ sind Wasserstoff (H2-Gas) sowie synthetisches Methan, also CNG.

Biomethan: Sämtliche organischen Abfallstoffe können in Fermentern zur Produktion von Biogas eingesetzt werden, das nach der Aufbereitung zu Biomethan ins Erdgasnetz eingespeist wird. Zahlreiche Anlagen verwerten dafür zum Beispiel Speisereste und -abfälle, landwirtschaftliche Reststoffe, Stroh, Gülle usw.
Bei dieser „Generation 2“ gibt es keine Tank-Teller-Diskussion, denn es werden keine neuen Agrarflächen benötigt oder für Energiepflanzenanbau umgewidmet. Die Menge der Rest- und Abfallstoffe reicht schon jetzt für viele Millionen Fahrzeuge.
CNG-Tankstellen in Deutschland weisen bis zu 100 % regenerativ erzeugtes (Bio)Methan aus und dieses wird rein abfallstämmig produziert.

Der Blick in andere Länder oder Forschungslabore zeigt auch, dass künftig noch weitere Quellen hinzukommen werden. So wird beispielsweise in England, in Bristol ein Flughafen-Shuttle namens „Poo-Bus“ mit Biomethan aus Fäkalien betrieben; auch Algen oder spezielle, Methan produzierende Mikroorganismen sind Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Programme – eine Menge Spielraum für erfolgreiche Fortsetzungen.

Auch hier folgt in Kürze die Fortsetzung: Teil 2 startet dann mit der vielbeachteten „Power-to-Gas-Technologie...

10.01.2017 - Leserbrief von Jens A. aus N.
Klasse! der Artikel trifft genau ins "Schwarze".
Aber bei Vermarktung reicht es nicht, dass es die Com­mu­ni­ty der CNG-Fahrer hört und liest. Wir kennen die Missstände. Die Frage ist, wie wird ein breites Publikum und noch wichtiger, die entsprechenden Entscheidungsträger der Politik und Wirtschaft darauf aufmerksam? Das Stichwort lautet Lobbyarbeit.
Die Idee aus Italien mit den Fonds für rotierende Tanks, wie ich es hier auch bereits gelesen habe, finde ich richtig gut. Denn es hält auch viele Käufer die Angst ab, ein Erdgasauto zu kaufen, weil das Risiko besteht, dass die Tanks kein Autoleben lang halten. Besonders jetzt nach dem im vergangenem Jahr ein Tank bei Göttingen geborsten ist.

Autor: gibgas_exklusiv Frank Wolter

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