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"Nach der Diesel-Affäre muss Erdgas/CNG einfach endlich auf die Tagesordnung der Politik!"

"Tue Gutes und sprich darüber" haben wir uns gedacht und den Geschäftsführer der Stadtwerke Neustrelitz, Frank Schmetzke, der 2015 den Standort "Neubrandenburg" wieder aufleben lies, um ein Interview gebeten. Vorbildlich: Der Fuhrpark ist auf den CNG-Antrieb umgestellt. Die Fragen stellte Birgit Maria Wöber.


Welches Potenzial sehen Sie als Geschäftsführer eines Stadtwerkes im Kraftstoff Erdgas/CNG?

Bis 2020 soll bekanntlich der CO2-Ausstoß um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Ein großer Hebel hierfür ist der Verkehr, der in Deutschland immerhin 17 Prozent des CO2-Aufkommens verursacht. Mit Erdgas und Biomethan als Kraftstoff lässt sich emissionsarme Mobilität auf Basis einer praxistauglichen Technologie problemlos umsetzen.
Namhafte Hersteller bieten hierfür eine vielfältige Auswahl an Erdgasfahrzeugen für den privaten, gewerblichen als auch öffentlichen Verkehr. Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern sind aktuell um die 2.000 Erdgasfahrzeuge unterwegs, da gibt es Aufholbedarf. In Deutschland sind es knapp 100.000 Fahrzeuge, für die mehr als 900 Erdgastankstellen zur Verfügung stehen – Tendenz steigend. Auch hier ist das Ende der Fahnenstange natürlich lange nicht erreicht.
Erdgas verursacht bis 25 Prozent weniger CO2 als Benzin. Mit reinem Biomethan sinkt der CO2-Ausstoß sogar um bis 97 Prozent. Im Vergleich zu Diesel entstehen rund 95 Prozent weniger Stickoxide. Feinstaub wird nahezu gar nicht emittiert. Alle diese Vorzüge sind wie gemacht für ein Land, das sich ehrgeizige Klimaschutzziele auf die Fahne geschrieben hat. Darauf können wir als Energiedienstleister nicht oft genug hinweisen. Erst recht als Mecklenburger, die bekanntlich stolz auf ihre saubere Luft sind.

 

Was hat Sie bewogen, den CNG-Standort Neubrandenburg nach der Schließungsverkündung neu aufzubauen?

Die Schließung der veralteten Tankstelle in Neubrandenburg durch den vormaligen Betreiber hat eine empfindliche Lücke ins Erdgastankstellennetz Mecklenburg-Vorpommerns mit seinerzeit 28 Stationen – und damit auch Deutschlands – gerissen. Schließlich ist die Viertorestadt auch eine wichtige Adresse für den Transitverkehr. Die Stadtwerke Neustrelitz haben bereits seit Jahren gute Erfahrungen mit der ersten Erdgastankstelle in Neustrelitz gemacht. Außerdem engagieren wir uns an führender Stelle im Landesinitiativkreis erdgas mobil M-V. Da schauen wir natürlich über den Tellerrand. Als sich in Neubrandenburg – praktisch vor unserer Haustür – kein neuer Investor gefunden hatte, haben wir nicht lange gezögert.

 

Wir haben uns erlaubt, Ihnen zu diesem Schritt zu gratulieren. Wie sah das allgemeine Feedback zu Ihrem Entschluss aus?

Wir haben sehr viel positive Resonanz erhalten. Nicht zufällig haben sich zur Eröffnung der neuen Tankstelle auch MV-Energieminister Christian Pegel und der Neubrandenburger Oberbürgermeister Silvio Witt eingefunden. Aber auch Kunden haben sich erleichtert geäußert, in Neubrandenburg wieder Erdgas tanken zu können. Anerkannt wurde zusätzlich, dass die Unterbrechung mit rund acht Monaten glimpflich ausgefallen ist. Wir haben mächtig aufs Tempo gedrückt.

 

Wie wurde die neue Erdgastankstelle angenommen, was hat sich seit der Wiedereröffnung getan?

Wir hatten die Tankstelle zunächst einem vierwöchigen Probebetrieb unterzogen. Bereits in dieser Phase zeigte sich, dass unsere Entscheidung richtig war. Kaum war der Test angelaufen, standen auch die ersten Fahrzeuge vor der Station. Zwischen August und Oktober hat sich die Abnahmemenge auf zuletzt 4.691 Kilogramm fast verdreifacht. Und obwohl im November die Tourismus-Saison vorbei war, hatten wir nur einen geringen Rückgang zu verzeichnen. Mit einer grüngescheckten Kuh auf dem Dach der Tankstelle werben wir seit Kurzem weithin sichtbar für unseren umweltfreundlichen Kraftstoff.

 

Welche Aktivitäten unternehmen die Stadtwerke Neustrelitz, um CNG/Erdgas als Kraftstoff bekannt zu machen?

Die Stadtwerke Neustrelitz engagieren sich über den Landesinitiativkreis erdgas mobil Mecklenburg-Vorpommern. Auch dessen Geschäftsstelle befindet sich unter unserem Dach. Von hier aus betreiben wir unter anderem intensive Medienarbeit. Daneben haben wir unsere Aktivitäten zusätzlich auch auf Bundesebene erweitert. Darüber hinaus dient uns das Landeszentrum für Erneuerbare Energien in Neustrelitz, eine Tochter der Stadtwerke, auf vielfältige Art zur Werbung für Erdgas als alternativem Kraftstoff.

 

Welches CNG-Mobil fahren Sie zurzeit?

Wir haben die gesamte Fahrzeugflotte unseres Unternehmens auf Erdgas umgestellt. Da sind wir konsequent. Natürlich müssen und wollen wir getreu unserem Unternehmensmotto „Mehr vom Leben“ mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2016 zum Kraftstoff-Thema?

Ich hoffe, dass es im kommenden Jahr den Durchbruch für Erdgas als Kraftstoff gibt. Natürlich müssen dazu von der Politik auch Weichen gestellt werden. Nach der Diesel-Affäre muss Erdgas einfach endlich auf die Tagesordnung!. Bei der Umstellung auf Gasfahrzeuge müssen die Kommunen mit gutem Beispiel vorangehen. Ganz oben sollte da der Öffentliche Personennahverkehr stehen.

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